Texte
Klaus Mewes
aus: Eröffnungsrede, Museum gegenstandsfreie Kunst, Otterndorf 2003
[...] Ein Ensemble von verschieden großen Bildern besteht also aus einer Kombination von Arbeiten, die entweder aufsichtsperspektivisch oder ansichtsperspektivisch entstanden sind. Diese wechselnden Perspektiven, die dem Betrachter zunächst nicht auffallen müssen und doch präsent sind, transportieren Malereigeschichte, die einen tiefen Einblick in den Prozess gesellschaftlicher Veränderung gestattet.
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Joachim Kreibohm
aus dem Katalog C.F. Kintz, Ingolstadt 2002
[...] Christian F. Kintz hat sich dem Medium der Malerei verschrieben. Er weiß, daß man nicht monochromer als monochrom, nicht informeller als informel malen kann, daß Minimalismus und Monochromie nicht noch einmal erfunden werden können. Er weiß aber auch, daß es der Malerei immer wieder gelungen ist, genügend Energien freizusetzen, um überleben zu können.
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Belinda Grace Gardner
aus: Eröffnungsrede, Sparkasse Stade-Altes Land 2008
Fragt man den Maler, der sein Kunststudium in Freiburg und Hamburg absolviert hat, wo er selbst Einflüsse auf seinen Werdegang sieht, nennt er interessanterweise als frühe Inspirationsquelle den großen Vorreiter des amerikanischen Abstrakten Expressionismus, Willem de Kooning, dessen zunehmende Auflösung der Figur zugunsten eines freien, expressiven Malduktus ab den 1950er Jahren stilprägende Wirkung hatte.
Die erste „Live“-Begegnung mit de Koonings Werken bei einer Ausstellung in New York löste bei Christian F. Kintz Begeisterung aus. Auch wenn sich die Arbeiten des Hamburger Künstlers von jener ausladenden Vehemenz des Abstrakten Expressionismus längst weit entfernt haben, entdecken wir – bei näherer Betrachtung – in ihnen ein ungezähmtes, man möchte fast sagen „wildes“ Moment, das gewissermaßen durch die „Hintertür“ der Bildränder in die matt schimmernde Sphäre ebenmäßiger Farbverteilung einbricht.
Und sich als in die Malerei selbst eingeschriebene Information auch hinter beziehungsweise unterhalb der „geordneten“ Erscheinung abspielt.
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Bernd Künzig
aus: Polychrome Körper 2008
Im Gegensatz zur Utopie einer reinen Monochromie im Sinne Malewitschs, die die Geschichte eines Bildes als zeitlichen Prozess zu tilgen versucht, um am Nullpunkt von vorne anfangen zu können, besteht die Malerei Christian F. Kintzs auf dem Aspekt des Gedächtnisses, das in einem Bildmoment einer einfarbigen Oberfläche am Seitenrand den geschichtlichen und damit zeitlichen Weg einer derartigen Malerei offenbart.
Der Blick um die Kante der monochromen Tafel erweitert diese nicht zuletzt in den Raum hinein. Die unbegrenzte Fläche, die in der abgeschlossenen Bildtafel nur ihr vorläufiges, materielles Ende findet, lässt die Farbe nicht nur über den Rand hinaus in den Raum drängen, sondern verdeutlicht darüber hinaus, dass die Monochromie der Oberfläche lediglich eine Haut ist unter der sich ein vielschichtiger Farbkörper befindet, der aus der Wand heraus in den Raum zu wachsen scheint.
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Dr. Ulrike Schick
aus: Katalogtext 2003
Wie köstlich kann doch Farbe sein!
Die Arbeiten von Christian F. Kintz erlauben Farbe sowohl als aufrichtiges Einzelerlebnis wie als sinnliches Raumerlebnis wahrzunehmen. Es sind zwei grundsätzliche Qualitäten, ja fast physische Eigenschaften, die den Bildern inne liegen und deren Erfahren den Betrachter vereinnahmt.
Drei verschiedene Formate, die sich nur minimal von einem Quadrat unterscheiden, bergen mehr als 4 Schichten klarer, reiner Farbqualitäten. Immer sind die verwandten Materialien Leinwand und Ölfarbe. Letztere wird jeweils individuell, der Idee des Bildes untergeordnet, angemischt. Der ursprüngliche Malprozess entwickelt sich nicht etwa durch Addition, sondern durch Subtraktion von Malmaterial.
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Dr. Ulrike Schick
aus: Katalogtext 2000
Augenscheinliche hermetische Dichte und kalte Undurchdringlichkeit öffnen sich, geben die nun fast als spielerisch erkannte Wahrheit preis. Die Oberfläche wird zum Echo dessen, was einst im Grund verborgen schien. Farben als Vorbereitung, als Steigerung und Ergänzung der endgültigen Erscheinung. Zeit, die Entstehung als Prozess wird sichtbar. Farbe als raumschaffendes Moment, in einen Raum wachsendes, sich breitmachendes Material erlangt Form, vor allem Inhalt. Ebenen werden lesbar, so erkennbar, lassen die gegenseitige Beeinflussung spüren. Die Präsenz von einem Ton wird relativiert.
Wie wahr ist unser Sehen?
Wie stark nimmt die Vergangenheit als Vorwesen Anteil am Jetzt?
Prof. B. J. Blume
aus: Problem Malerei 2000
Kintz konfrontiert uns durch seine Malerei mit ihrer fundamentalen Konstitution. Sowohl über die Arbeit als auch im schriftlichen Komentar Malerei-System leistet er eine generelle Definition dessen, was ein Bild ist: „Farbe und Farbmaterial sind alleiniger Gegenstand des Bildes...“
Damit stellt er sich methodisch und ästhetisch zugleich in die große, radikalreduktionistische Tradition der konkreten Malerei ohne allerdings ihrer ideoplatonischen Hypostasierung zu verfallen. Davor schützt ihn sein variables Präsentationskonzept.
Dr. Ulrike Schick
aus: Rede 1999
Farbe ist Programm und Inhalt der Arbeit Kintz. Mit einem Rakel zieht Kintz das zähfließende Malmaterial über die Leinwand. Schicht um Schicht entsteht die sichtbare Farbe, Farbe um Farbe wiederum wird übermalt, verändert durch räumliche und tonige Tiefe das letzliche Erscheinungsbild. Die Farbe, die Sie sehen, ist nicht rein, nicht monochrom in ihrer Dichte. Sie schwillt aus dem Grund in andere Töne.
Kintz lässt die Farbe pur, wünscht keine wolkigen Verdichtungen, die Räumlichkeit illosionieren. Hier ist er spröde, radikal und unprätentiös.
Ganz in ihrer Kraft aber sind die verschiedenen Töne, die sich letzlich darstellen. Barockes sattes Rot, bonbonfarbenes Rosa oder Himmelblau stehen sich und Ihnen ganz vorurteilsfrei, ja fast unbekümmert, gegenüber. Diese Unbekümmertheit jedoch täuscht!
Wie im Bilder-Buch einsehbar, ist ein weiterer Bestandteil der Arbeit das Zuordnen einzelner Arbeiten untereinander. Kintz bildet mit den Werken Gruppen. Gleich einem Baukastenprinzip greift sich der Künstler die einzelnen Bilder und schafft Kontrapunkte, Harmonien werden gesetzt und gleich wieder in Frage gestellt.
Dr. Gerwig Epkes
aus: S2 Kultur 1997
Kintz lässt seine klein- und großformatigen monochromen Farbtafeln verblüffend einfach, jedoch deshalb umso wirkungsvoller miteinander in Kontakt treten, so daß Monochrom und Farbreichtum keinen Gegensaatz mehr bilden.
...eigenartige Farben. ein Blau-Grau-Lila, ein stumpfes Schwarz, ein ekliges, helles Braun.
Volker Bauermeister
aus: Badische Zeitung 1997
Kintz hat eine Position auf dem vermeintlich schon besetzten Gebiet monochromer Malerei gesucht und gefunden. Perfekt glattgespachtelt, liegt bei Kintz eine einfarbige Deckschicht wie eine Sache für sich über dem Bildträger, lässt aber an den Kanten darunterliegende Farbstadien durchscheinen, so daß sich ihre Statik potenziell auflöst. Mit ihrer offensiven Leuchtkraft widersprechen die Bilder dem Eindruck hermetischer Geschlossenheit, zeigen sich kommunikativ untereinander und in Bezug auf den umgebenden Raum. Damit macht Kintz noch einmal deutlich, das monochromie alles andere als eine Einengung des Gesichtskreises bedeuten muß.
aus: Eröffnungsrede, Museum gegenstandsfreie Kunst, Otterndorf 2003
[...] Ein Ensemble von verschieden großen Bildern besteht also aus einer Kombination von Arbeiten, die entweder aufsichtsperspektivisch oder ansichtsperspektivisch entstanden sind. Diese wechselnden Perspektiven, die dem Betrachter zunächst nicht auffallen müssen und doch präsent sind, transportieren Malereigeschichte, die einen tiefen Einblick in den Prozess gesellschaftlicher Veränderung gestattet.
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Joachim Kreibohm
aus dem Katalog C.F. Kintz, Ingolstadt 2002
[...] Christian F. Kintz hat sich dem Medium der Malerei verschrieben. Er weiß, daß man nicht monochromer als monochrom, nicht informeller als informel malen kann, daß Minimalismus und Monochromie nicht noch einmal erfunden werden können. Er weiß aber auch, daß es der Malerei immer wieder gelungen ist, genügend Energien freizusetzen, um überleben zu können.
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Belinda Grace Gardner
aus: Eröffnungsrede, Sparkasse Stade-Altes Land 2008
Fragt man den Maler, der sein Kunststudium in Freiburg und Hamburg absolviert hat, wo er selbst Einflüsse auf seinen Werdegang sieht, nennt er interessanterweise als frühe Inspirationsquelle den großen Vorreiter des amerikanischen Abstrakten Expressionismus, Willem de Kooning, dessen zunehmende Auflösung der Figur zugunsten eines freien, expressiven Malduktus ab den 1950er Jahren stilprägende Wirkung hatte.
Die erste „Live“-Begegnung mit de Koonings Werken bei einer Ausstellung in New York löste bei Christian F. Kintz Begeisterung aus. Auch wenn sich die Arbeiten des Hamburger Künstlers von jener ausladenden Vehemenz des Abstrakten Expressionismus längst weit entfernt haben, entdecken wir – bei näherer Betrachtung – in ihnen ein ungezähmtes, man möchte fast sagen „wildes“ Moment, das gewissermaßen durch die „Hintertür“ der Bildränder in die matt schimmernde Sphäre ebenmäßiger Farbverteilung einbricht.
Und sich als in die Malerei selbst eingeschriebene Information auch hinter beziehungsweise unterhalb der „geordneten“ Erscheinung abspielt.
[Download vollständiger Text]
Bernd Künzig
aus: Polychrome Körper 2008
Im Gegensatz zur Utopie einer reinen Monochromie im Sinne Malewitschs, die die Geschichte eines Bildes als zeitlichen Prozess zu tilgen versucht, um am Nullpunkt von vorne anfangen zu können, besteht die Malerei Christian F. Kintzs auf dem Aspekt des Gedächtnisses, das in einem Bildmoment einer einfarbigen Oberfläche am Seitenrand den geschichtlichen und damit zeitlichen Weg einer derartigen Malerei offenbart.
Der Blick um die Kante der monochromen Tafel erweitert diese nicht zuletzt in den Raum hinein. Die unbegrenzte Fläche, die in der abgeschlossenen Bildtafel nur ihr vorläufiges, materielles Ende findet, lässt die Farbe nicht nur über den Rand hinaus in den Raum drängen, sondern verdeutlicht darüber hinaus, dass die Monochromie der Oberfläche lediglich eine Haut ist unter der sich ein vielschichtiger Farbkörper befindet, der aus der Wand heraus in den Raum zu wachsen scheint.
[Download vollständiger Text]
Dr. Ulrike Schick
aus: Katalogtext 2003
Wie köstlich kann doch Farbe sein!
Die Arbeiten von Christian F. Kintz erlauben Farbe sowohl als aufrichtiges Einzelerlebnis wie als sinnliches Raumerlebnis wahrzunehmen. Es sind zwei grundsätzliche Qualitäten, ja fast physische Eigenschaften, die den Bildern inne liegen und deren Erfahren den Betrachter vereinnahmt.
Drei verschiedene Formate, die sich nur minimal von einem Quadrat unterscheiden, bergen mehr als 4 Schichten klarer, reiner Farbqualitäten. Immer sind die verwandten Materialien Leinwand und Ölfarbe. Letztere wird jeweils individuell, der Idee des Bildes untergeordnet, angemischt. Der ursprüngliche Malprozess entwickelt sich nicht etwa durch Addition, sondern durch Subtraktion von Malmaterial.
[Download vollständiger Text]
Dr. Ulrike Schick
aus: Katalogtext 2000
Augenscheinliche hermetische Dichte und kalte Undurchdringlichkeit öffnen sich, geben die nun fast als spielerisch erkannte Wahrheit preis. Die Oberfläche wird zum Echo dessen, was einst im Grund verborgen schien. Farben als Vorbereitung, als Steigerung und Ergänzung der endgültigen Erscheinung. Zeit, die Entstehung als Prozess wird sichtbar. Farbe als raumschaffendes Moment, in einen Raum wachsendes, sich breitmachendes Material erlangt Form, vor allem Inhalt. Ebenen werden lesbar, so erkennbar, lassen die gegenseitige Beeinflussung spüren. Die Präsenz von einem Ton wird relativiert.
Wie wahr ist unser Sehen?
Wie stark nimmt die Vergangenheit als Vorwesen Anteil am Jetzt?
Prof. B. J. Blume
aus: Problem Malerei 2000
Kintz konfrontiert uns durch seine Malerei mit ihrer fundamentalen Konstitution. Sowohl über die Arbeit als auch im schriftlichen Komentar Malerei-System leistet er eine generelle Definition dessen, was ein Bild ist: „Farbe und Farbmaterial sind alleiniger Gegenstand des Bildes...“
Damit stellt er sich methodisch und ästhetisch zugleich in die große, radikalreduktionistische Tradition der konkreten Malerei ohne allerdings ihrer ideoplatonischen Hypostasierung zu verfallen. Davor schützt ihn sein variables Präsentationskonzept.
Dr. Ulrike Schick
aus: Rede 1999
Farbe ist Programm und Inhalt der Arbeit Kintz. Mit einem Rakel zieht Kintz das zähfließende Malmaterial über die Leinwand. Schicht um Schicht entsteht die sichtbare Farbe, Farbe um Farbe wiederum wird übermalt, verändert durch räumliche und tonige Tiefe das letzliche Erscheinungsbild. Die Farbe, die Sie sehen, ist nicht rein, nicht monochrom in ihrer Dichte. Sie schwillt aus dem Grund in andere Töne.
Kintz lässt die Farbe pur, wünscht keine wolkigen Verdichtungen, die Räumlichkeit illosionieren. Hier ist er spröde, radikal und unprätentiös.
Ganz in ihrer Kraft aber sind die verschiedenen Töne, die sich letzlich darstellen. Barockes sattes Rot, bonbonfarbenes Rosa oder Himmelblau stehen sich und Ihnen ganz vorurteilsfrei, ja fast unbekümmert, gegenüber. Diese Unbekümmertheit jedoch täuscht!
Wie im Bilder-Buch einsehbar, ist ein weiterer Bestandteil der Arbeit das Zuordnen einzelner Arbeiten untereinander. Kintz bildet mit den Werken Gruppen. Gleich einem Baukastenprinzip greift sich der Künstler die einzelnen Bilder und schafft Kontrapunkte, Harmonien werden gesetzt und gleich wieder in Frage gestellt.
Dr. Gerwig Epkes
aus: S2 Kultur 1997
Kintz lässt seine klein- und großformatigen monochromen Farbtafeln verblüffend einfach, jedoch deshalb umso wirkungsvoller miteinander in Kontakt treten, so daß Monochrom und Farbreichtum keinen Gegensaatz mehr bilden.
...eigenartige Farben. ein Blau-Grau-Lila, ein stumpfes Schwarz, ein ekliges, helles Braun.
Volker Bauermeister
aus: Badische Zeitung 1997
Kintz hat eine Position auf dem vermeintlich schon besetzten Gebiet monochromer Malerei gesucht und gefunden. Perfekt glattgespachtelt, liegt bei Kintz eine einfarbige Deckschicht wie eine Sache für sich über dem Bildträger, lässt aber an den Kanten darunterliegende Farbstadien durchscheinen, so daß sich ihre Statik potenziell auflöst. Mit ihrer offensiven Leuchtkraft widersprechen die Bilder dem Eindruck hermetischer Geschlossenheit, zeigen sich kommunikativ untereinander und in Bezug auf den umgebenden Raum. Damit macht Kintz noch einmal deutlich, das monochromie alles andere als eine Einengung des Gesichtskreises bedeuten muß.
